Ich glaube ihr habt schon davon gehört. Flash auf dem Mac stinkt. Es ist langsam, stürzt ab und hat haufenweise Sicherheitslücken. Sagt Steve Jobs. Stimmt das?
Mac-User stimmen zu, Windows-User nicht. Woran liegt das?
Die Geschwindigkeit lässt definitiv zu wünschen übrig. Paradebeispiel ist Youtube, das mein Macbook mit Leichtigkeit auf Hochtouren bringt. Alles über 360p lastet einen Kern des 2,0 GHz Core 2 Duo voll aus und dropt dabei noch Frames. Ob Firefox oder Safari macht keinen Unterschied. Quicktime benötigt zum Abspielen nur einen Bruchteil der CPU-Zeit. Genaue Werte sind schwierig zu messen, aber die braucht es auch nicht. Adobe hat offiziell zugegeben, dass Flash unter OSX langsamer läuft als unter Windows und gelobt Besserung, u.a. durch die Nutzung vorhandener APIs (Quicktime, Core Animation, etc.). Allerdings geht genau das laut Adobe nicht (Quelle):
- Why is hardware decoding of H.264 only supported on the Windows platform?
- In Flash Player 10.1, H.264 hardware acceleration is not supported under Linux and Mac OS. Linux currently lacks a developed standard API that supports H.264 hardware video decoding, and Mac OS X does not expose access to the required APIs. We will continue to evaluate when to support this feature on Mac and Linux platforms in future releases.
Ja was denn nun Adobe? API-Zugriff oder nicht? Es scheint zumindest unterschiedliche Meinungen zu geben.
Wie steht es nun mit der Stabilität des Flash Players. Windows-User können sich dort tatsächlich kaum beklagen und verstehen deshalb selten, wenn ein Macianer sich beschwert. Tatsächlich gibt es im Flash-Player für OSX seit Version 10 einen schwerwiegenden Bug, der für zahlreiche Abstürze verantwortlich ist. Dieser wurde September 2008 gemeldet, reproduziert und zu Behebung in der nächsten Version vorgesehen. Im Oktober erschien Version 10, zu zeitig, um ihn zu beheben und den Fix zu testen. Die bis heute noch nicht erschienene Version 10.1 wurde also zur nächsten. Nun mögen einige anmerken, dass nur schlecht programmierter Content Flash zum Absturz bringen würde. Dem ist nur entgegen zu halten, dass man mit ActionScript, der Programmiersprache von Flash, keine Abstürze produzieren kann. Wie der Name vermuten lässt handelt es sich bei ActionScript um eine zur Laufzeit interpretierte Scriptsprache. Die aktuelle Version ActionScript3 ist ein ECMAScript Dialekt, wie auch Javascript. Der Code wird also nicht vor der Ausführung compiliert, sondern interpretiert, was dem Interpreter genügend Spielräume lässt, um unvorhergesehene Fehler abzufangen. Wenn der Interpreter abstürzt, dann ist auch der Interpreter schuld. Genau das sagt auch Adobe (Quelle):
[It] is a tenet of the Flash Player team that ActionScript developers should never be able to crash Flash Player. If a crash occurs, it is by definition a bug, and one that Adobe takes very seriously.
Zur Verdeutlichung: Adobe weiß seit mittlerweile 16 Monaten von einem kritischen Bug im Flash Player für OSX, hat es aber bis heute nicht geschafft, ihn zu beheben. Verständlich, dass viele Mac-User “not amused” sind. Umso verständlicher erscheint langsam auch Jobs Position in der Sache.
Bleibt noch die Sicherheit. Natürlich finden sich im Flash Player Sicherheitslücken. Es scheinen nicht übermäßig viele zu sein, aber die Anzahl der Updates ist bei proprietärer Software immer mit Vorsicht zu genießen. Allzu oft werden mehrere Lücken in einem Update geschlossen, ohne genau zu erwähnen, was eigentlich das Problem war. Große Probleme gab es in jüngster Vergangenheit wie es scheint genug, sodass sich z.B. Mozilla dazu gezwungen sah, zunächst einen Updatecheck speziell für Flash einzurichten, was später auch auf andere installierte Plugins ausgeweitet wurde. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, was Flash so alles über die Browsernutzung speichert. So ist es Seiten in der Standardeinstellung z.B. erlaubt, Cookies und eine kleine Mengen an Daten auf dem Rechner zu speichern. Löscht man jetzt im Browser Cookies und Verlauf zeigt sich Flash unberührt. Um diese Daten los zu werden muss eine spezielle Seite aufgerufen werden, die ein spezielles Flash-Video enthält, über das diverse Sicherheitseinstellungen verwaltet werden können. Diese sehr merkwürdige Art, Einstellungen vorzunehmen findet man allerdings nur durch gezieltes Suchen, am besten per Suchmaschine. Adobe nimmt unsere Privatsphäre sichtlich ernst.
Was ist also bei Adobe los? Am schwerwiegendsten ist wohl, dass bisher nicht einmal versucht wurde mit ein Jobs einen Dialog zu beginnen (Quelle):
Knowledge@Wharton: But now there is a lot of contention around getting Flash on the iPhone.
Warnock: Oh, yes.
Knowledge@Wharton: Have you talked to Steve Jobs about that?
Warnock: No, I haven’t.
Knowledge@Wharton: Have you thought about calling him?
Warnock: I’ve thought about calling him and saying, “Steve, you know, at this point you want might to engage the partnership again.” Because I think otherwise he is going to get some competitive pressures from outside that he is not going to like.
Statt also einen gesunden Dialog mit dem Verantwortlichen bei Apple zu führen folgt bei Adobe ein PR-Stunt auf den nächsten, oft einfache Blog-Posts verschiedener Mitarbeiter, die ihre unterschiedlichen Meinungen kundtun. Öffentlichkeitsarbeit ist etwas anderes.
Fazit: Es stimmt also, auf dem Mac ist Flash langsam, stürzt ab und hat schwerwiegende Sicherheitslücken. Und Adobe unternimmt dagegen wenig. Jobs hat also recht. Aber ist das der Grund dafür, Flash auf den iDevices nicht zu zu lassen? Dazu demnächst mehr.
2 Comments
Adobe Flash ist ein Geschwür – egal auf welcher Plattform
(Siehe dazu z.B. http://www.computerbase.de/forum/showthread.php?t=661042 sowie x weitere Aufzählungen, wieso Flash besser aus dem Internet verbannt sein sollte).
Dies ist allerdings kein Grund, Apples dubioses Verhalten in dieser Sache schönzureden.
Denn die Gründe, wieso Apple Flash quasi sabotiert, gehen weit über einen ‘idealistischen Kampf’ gegen ein schädliches Format hinaus. Es geht hauptsächlich um Machtkämpfe und das Kaschieren eigener Schwächen.
Wenn Apple beispielsweise gegen den hohen Ressourcenverbrauch wettert ist dies verständlich – schliesslich sind Apples Produkte im Vergleich zur Konkurrenz weniger Leistungsfähig, auf ihnen würde dies also besonders negativ auffallen.
Der Hinweis auf die vielen Sicherheitslücken ist auch korrekt – allerdings wird verschweigen, dass QuickTime es in der selben Zeitspanne auf die doppelte Anzahl Sicherheitslücken bringt wie Flash
@lol25: Was tatsächlich der Grund für den Ausschluss ist, dazu gibt es einige Theorien. Manche mehr und manche weniger sinnvoll. Dazu werde ich in nächster Zeit noch etwas schreiben.
Mit den Sicherheitslücken ist es bei proprietärer Software nunmal so eine Sache. Im Fall von Flash veröffentlicht Adobe zwar ein Update, aber verschweigt was genau gestopft wurde. Es ist üblich mehrere Lücken mit einem Update zu behandeln. Es bleibt aber dabei, dass Flash zusätzlich zum Browser ein weiterer Angriffsvektor ist. Noch dazu ein sehr attraktiver, da der selbe Exploit u.U. über mehrere Browser hinweg funktioniert.